FC Luzern NLA: 10 Tore und 4 Torhüterinen

In Luzern sind nun definitiv alle Personalstränge gerissen. Nach dem sich Emanuela Schürch gegen Aarau und Nina Stapelfeldt unter der Woche verletzt hatten, gibt es in der Innerschweiz nicht mehr genügend Feldspielerinnen. Das U19 Team konnte beim Punktegewinn in Basel, nur einen Wechsel tätigen und das war die Trainerin Luzia Odermatt, welche sich selbst einwechseln musste! In der NLA musste Alicia Haller bereits beim Einlaufen Forfait geben. Somit musste die Ersatztorhüterin Antonia Albisser, welche direkt von der Arbeit nach Zürich gekommen war, ihr Torhüterinnendress gegen ein Spielerinnentrikot eintauschen. Mal abgesehen davon, dass mit Laila Koch bereits eine Torhüterin als Feldspielerin auf der Bank sass. Unterhaltsam, peinlich, lustig oder doch frustrierend – soll jede Person selbst entscheiden.

Nach einem 6:0 Sieg gegen Aarau hätte man davon ausgehen können, dass die Luzernerinnen mit viel Selbstvertrauen in die Partie starten würden. Doch das Gegenteil war der Fall. Viel zu ängstlich und gehemmt trat man auf. GC hingegen spielte frech, dynamisch und hatte mit Stürmerin Müller eine überragende Spielerin in ihren Reihen, welche der Gästeabwehr immer wieder krasse Defizite aufzeigte. So wurde sie bereits in der 15. Minute als Torschützin ausgerufen. Gleich nach dem Wiederanpfiff hatte Luzern die erste Chance durch einen Flankenball von Brütsch. Doch GC blieb spielbestimmend und wurde in der 18. Minute mit einem Freistoss, welcher an Freund und Feind vorbeiflog und anschliessend im Tor landete belohnt. In der 20. Minute hatte Remund eine weitere Chance für Luzern, nach einem Flankenball von Sager – doch ihre Direktabnahme flog knapp am Tor vorbei.  In der 35. Minute zeigte sich einmal mehr wo das Problem in Luzern liegt. Nach einem unnötigen, schwachen ersten Ballkontakt auf der rechten Abwehrseite, kam es zum Ballverlust – ein Pass in die Tiefe und der Gästeabwehr blieb einmal mehr nur das Nachsehen 3:0. Kurz vor der Pause wurde die laufstarke Remund im Strafraum regelwidrig gestoppt und der darauffolgende Elfmeter versenkte Graf souverän zum 3:1 Pausenstand.

Gleich nach Wiederanpfiff war es erneut der Luzerner-Albtraum Müller, welche die Hintermannschaft erneut katastrophal aussehen lies. Hätte GC den höchst fragwürdigen Elfmeter kurz darauf verwandelt, wäre das Spiel wohl komplett gelaufen gewesen. Doch nun erwachte Luzern und spielte endlich Fussball. Was folgte war ein offener Schlagabtausch und es wurde ersichtlich weshalb die beiden Abwehrreihen zu den vier Schwächsten der Liga gehören. In der 64. Minute verkürzte Brütsch auf 4:2, aber nur drei Minuten später war es erneut Müller, welche ihren dritten Treffer an diesem Abend bejubeln durfte. Eine Viertelstunde vor Schluss, köpfte Graf, nach einem Ruf-Eckball, das Leder in die Maschen – 5:3. In der 77. Minute hätte Luzern auf 5:4 herankommen müssen, doch Remund verzog eine 100%-Torchance über das Tor. Danach war man auf der FCL-Bank gezwungen zu wechseln und so spielte man tatsächlich mit drei (!!!) Torhüterinnen auf dem Platz – unfassbar. Zum Erstaunen aller Beteiligten, hatte Luzern nun die beste Phase des Spiels. Laila Koch spielte auf dem linken Flügel geniale Pässe in die Spitze und hatte keinen einzigen Ballverlust zu verzeichnen. Die andere Torhüterin Antonia Albisser wollte sogar noch mehr. Nach toller Remund-Reuteler- Vorarbeit schlenzte Albisser den Ball, in der 87. Minute, mit einer Ibrahimovic-Manier ins Lattenkreuz – 5:4, Wahnsinn. Doch die Aufholjagt wurde dieses Mal nicht belohnt. In der 89. Minute setzte Hubler dem Torfestival den Deckel drauf 6:4.

Fazit: 2,2 Gegentore im Schnitt pro Spiel sagt einiges über das Abwehrverhalten der FCL-Defensive aus (die Defensivarbeit beginnt bekanntlich bei der vordersten Spielerin). Nun kommen mit YB, Basel und Zürich die besten Offensiven der Liga auf die Luzernerinnen zu. Dem Trainerstaff sind die Hände gebunden, bleibt abzuwarten mit was für einer Aufstellung sie beim nächsten Spiel überraschen!

Text Glenn Meier

Telegramm: Grasshoppers Club Zürich  : FC Luzern 6:4 (3:1)

GC Campus, Zürich – 100 Zuschauer – SR

Tore:  15. 1:0 Müller, 15. 2:0 Hubler, 34. 3:0 Brülhart, 43. 3:1 Graf (Penalty), 48. 4:1 Müller, 64. 4:2 Brütsch, 67. Müller 5:2,  75. Graf 5:3, 87. Albisser 5:4, 89. Hubler 6:4 FCL: Honegger, Sager, Wyser, Graf, Lötscher, Felder (79. Koch), Remund, Tschopp (72. Videira), Ruf (84. Albisser), Reuteler, Brütsch Bemerkungen: Luzern ohne: Egli, Stapelfeldt, Schürch, Häring, Schnider (alle verletzt), Scodeller (rekonvaleszent), Schegg (Aufgebot anderes Team).

Fotos Andy Stocker