NLA: Meister am Rande der Verzweiflung

Der FC Zürich, aktueller Schweizermeister, Cupsieger und Champions League Teilnehmer, hat in dieser Saison noch in keinem Wettbewerb ein Gegentor erhalten. Das Kader ist breit…sehr breit und bespickt mit den besten Spielerinnen der Schweiz. Der FCZ ist der Topfavorit auf den erneuten Titelgewinn. Die Rollenverteilung für diese Partie war also klar.

Der FC Luzern musste mit einem sehr dezimierten Kader nach Zürich reisen und hatte nur drei Auswechselspielerinnen auf der Bank. Nur wenige Leute hätten vermutlich auf die Gäste aus der Innerschweiz getippt.

Was die Innerschweizerinnen an diesem Samstag jedoch ablieferten war phänomenal. Der FCL stand unglaublich kompakt, arbeitete hervorragend gegen den Ball und zeigte eine taktische Meisterleistung. Das klingt vielleicht nach „hinten reinstellen“, jedoch war genau das Gegenteil der Fall. Luzern spielte frech, selbstbewusst und mutig nach vorne. Bereits in der 6. Minute wurde dieser Mut belohnt. Brütsch setzte Torhüterin Herzog unter Druck, provozierte einen Prellball und brachte die Gäste mit 0:1 in Führung. Luzern wirkte ein wenig erstaunt darüber, wie gut man mit dem grossen FCZ mithalten konnte und prompt kassierte man nur vier Minuten später, durch ungenügende Abwehrarbeit, den Ausgleich. Die Zuschauer bekamen hochattraktiven Fussball geboten- beste Werbung für den Frauenfussball. Luzern war besser in der Partie und der FCZ fand keine Lösung gegen die sehr gute Organisation der Luzernerinnen. Flühler im Tor peitschte das Team von hinten heraus an, die Abwehr gewann praktisch jeden Zweikampf und vor allem das Mittelfeld mit Müller, Tschopp und Remund liess den Ball – und Zürich laufen. In der 28. Minute erkannte Ruf, dass die FCZ-Abwehr zu hoch stand, spielte einen getimten Flugball auf die omnipräsente Brütsch, welche einmal mehr ihr Durchsetzungsvermögen unter Beweis stellte. Die Stürmerin flankte den Ball in die Mitte, wo Tschopp perfekt aus dem Mittelfeld in den Strafraum durchlief und zum verdienten Führungstreffer einköpfte.

Da Remund leider noch nicht in Topform ist, war der FCL gezwungen erneut in der Pause zu wechseln und einige Umstellungen vorzunehmen. Die Gäste standen nun ein wenig tiefer und je länger das Spiel dauerte, umso mehr schwanden auch die Kräfte. In der 63. Minute kam es zu einem Freistoss, von der linken Strafraumseite des FC Luzern. Die Schiedsrichterin bemerkte nicht, dass Ramseier den Ball geschickt zwei Meter weiter nach aussen legte, um einen besseren Winkel zum FCL-Tor zu bekommen. Der scharfgetretene Freistoss konnte Flühler, die ansonsten ein tadelloses Spiel ablieferte, nicht gewünscht festhalten und Rahel Moser drückte den Ball, zum 2:2 Ausgleich, über die Linie.

Luzern lief nun auf den Reserven aber kämpfte um jeden Meter, warf sich in jeden Zweikampf und wollte unter allen Umständen mindestens einen Punkt aus Zürich mitnehmen. Zürich hatte nun zwar mehr vom Spiel, konnte sich aber keine nennenswerten Torchancen herausspielen.

Dann brach die 70. Minute an. Müller, die beste Spielerin auf dem Platz, dribbelte mit dem Ball am Fuss Richtung FCZ-Strafraum. Humm, welche bereits die ganze Partie am Rande des Erlaubten spielte, grätschte Müller von hinten in die Beine- ein klares Foulspiel, das alle Beteiligten so gesehen hatten! Fast alle, nur die Schiedsrichterin liess das Spiel tatsächlich weiterlaufen und ausgerechnet Humm, schloss den Gegenangriff zum 3:2 ab. Die Gemüter kochten über und Luzern fühlte sich betrogen! Mit einer Aktion zerstörte die Schiedsrichterin das gesamte Spiel und den Aufwand den die Gäste betrieben wurde nicht belohnt! Wer gedacht hatte, dass Luzern nun den Kopf hängen lassen würde sah sich getäuscht. Die Spielerinnen waren bereits über ihre persönlichen Leistungsgrenzen hinausgegangen, doch irgendwie schafften sie es noch einmal Kräfte freizuschaufeln. Luzern probierte und versuchte irgendwie noch einen Punkt aus Zürich mitzunehmen. Eine gute Chance kurz vor Schluss hätte Brütsch gehabt. Sie wurde jedoch in einer 4-gegen-1- Situation, alleine gegen vier FCZ-Spielerinnen, kurz vor dem Abschluss, mit einem „Offensiv-Foul“ zurückgepfiffen – unfassbar!

Fazit: Der Meister konnte den Kopf mit viel, viel Glück aus der Schlinge ziehen. Luzern zeigte ein fantastisches Spiel und hätte mindestens einen Punkt aus Zürich mitnehmen müssen! Man sollte nach einer Niederlage nie den Fehler bei der Unparteiischen suchen, jedoch ist es Schade, wenn durch einen solchen Fehlentscheid dieser grosse Aufwand zerstört wird. Die Schiedsrichterin liess jegliches Fingerspitzengefühl vermissen! Wenn der FCL jedoch regelmässig eine solche Leistung abrufen kann, müssen sich die Innerschweizerinnen vor keine Gegner verstecken! Grosses Kompliment!

Telegramm: FC Zürich : FC Luzern 3:2 (1:2)

Stadion Herrenschürli – 200 Zuschauer – SR

Tore:  6. 0:1 Brütsch, 10. 1:1 Sow, 28. 1:2 Tschopp, 63. 2:2 R. Moser, 71. 3:2 Humm FCL: Flühler, Videira (80. Hochuli), Graf, Ruf, Abbühl, Müller, Tschopp, Remund (46. Scherrer), Höltschi (74. Lahmici), Erne, Brütsch Bemerkungen: 53. Scherrer Gelbe Karte (Foulspiel) Luzern ohne: Scodeller, Haller, Wyser, Nietlispach (rekonvaleszent). Egli, Häring, Steiner (verletzt), Sager (abwesend), Jörg (Aufgebot anderes Team)

Text Glenn Meier

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