Trainingslager FCL U16 (C-Talents) in Benicassim

Freude, Freunde, Familie, Fussball = die vier Säulen eines Teams

Mit viel Vorfreude warteten die Spielerinnen der U16 am Dienstag 6. Februar 2018 am Flughafen-Gate in Zürich darauf, endlich ihr Gepäck abzugeben und den Flieger Richtung Valencia zu besteigen. Es standen fünf Tage vollgepackt mit Trainings, einem Vorbereitungsspiel in derTrainingsstätte des PrimeraDivisión Vereins Villarreal, einem Besuch an das Spiel zwischen dem Valencia C.F. und dem FC Barcelona bevor. Die Vorfreude zeigte sich merklich in den Gesichtern der Spielerinnen, nicht nur, weil es für viele das erste Mal in einem Trainingslager sein sollte.

In Valencia gelandet, zeigte das Thermometer lediglich 8°C. Das hatet sich die Eine oder Andere sichtlich anders vorgestellt. Unterwegs ins erste Training wurde man dann nicht nur vom Winde verweht, sondern auch „pitsche-patsche-nass“, sodass das erste Training buchstäblich den Bach hinunterging. Der einzige Ort, der den Spielerinnen Schutz gebot, waren die Fussball-Katakomben im Trainingsgelände „Facsa“. Also musste ein Alternativprogramm her. Gemeinsam mit der U-17-Mannschaft arbeiteten die Spielerinnen in den folgenden Minuten, die sie totschlagen mussten, bis der Hotel-Transferbus da war, an ihrer Rumpfstabilisation. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde ein erstes Ausrufezeichen dahinter gesetzt, dass es sich um ein Trainings- und nicht um ein Ferienlager handelte. Die Spielerinnen arbeiteten konzentriert.

Der zweite Tag sollte etwas weniger Wind und Regen bringen. Bei Temperaturen um die 12°C nahm man am Morgen das erste Training in Angriff. Als Vorbereitung für das Spiel am Abend gegen Villarrealtrainiert man einerseits das Überzahlspiel, andererseits wollte man das Hinterlaufen etwas genauer betrachten. Nach dem Training standen Duschen und Essen auf dem Programm. Am Buffet verpflegten sich die Spielerinnen und der Staff, um wieder zu Kräften zu gelangen. Den Nachmittag durften die Fussballerinnen frei gestalten. Quality-Time mit dem Team stand im Fokus.

Während einige am Strand spazieren gingen, inzwischen Stand die Sonne hoch am Himmel, blieben andere im Hotel oder im hoteleigenen Fitnesscenter und arbeiteten weiter an ihrer Form, bis um 17.30 Uhr das obligatorische Pasta-Essen vor dem Spiel stattfand. Anschliessend machte man sich nach einer kurzen Spielvorbereitung auf den Weg nach Villarreal. Die Geschehnisse des Spiels sind schnell erzählt. In der zweiten Minute der ersten Halbzeit überraschten die Löwinnen die Heim-Mannschaft nach einem schnellen Angriff über die rechte Seite und ging 1:0 in Führung. Bis zur Pause schwanden die Kräfte aber merklich, weshalb es am Ende keine Überraschung war, dass man nach zahlreichen Wechseln in der zweiten Halbzeit sieben Gegentore kassierte.

Trotz 1:7-Niederlage gab es viele wichtige Anhaltspunkte für den Trainer-Staff, um aus dem Team eine verschworenere Einheit zu formen. Bereits am nächsten Tag machte man sich also daran, die Fehler aus dem Spiel zu korrigieren. Nach einem qualitativ guten Morgentraining machten sich die schweren Beine vor allem am Nachmittag bemerkbar. Ein klärendes Gespräch musste her, weil die angestauten Emotionen vom Vortag noch nicht verarbeitet waren. Das Copa del Rey Spiel zwischen Valencia und Barcelona kam deshalb mehr als gelegen, so dass die Spielerinnen Zeit aber auch die Möglichkeit hatten, Fussball einmal von einer etwas anderen Seite kennenzulernen. Eine Erfahrung, die die Spielerinnen miteinander teilen und sie auch künftig auf dem Platz noch stärker zusammenschweissen soll. Messi mit denTeam sehen zu dürfen, erlebt man schliesslich nicht alle Tage.

Spät, um ca. 01.00 Uhr, traf man im Hotel ein. Schnurstracks ging es in Richtung Hotelzimmer. Schlafen war angesagt. Anders als die U17 startete die U16 den Freitagmorgen etwas gemächlicher. Erst um 10.30 Uhr machte man sich mit dem Material in den Händen und den Bällen unter den Armen in Richtung hoteleigenen Fussballplatz. Im Zentrum stand an diesem Morgen ein Zonenspiel, bei dem die Spielerinnen gefordert wurden, schnelle Ballwechsel umzusetzen. Das Training machte nicht nur den jungen Talenten Spass, auch die Trainer waren mit der Leistung des Gezeigten sehr zufrieden. Auch deshalb, weil eine dichter zusammengerücktere Mannschaft auf dem Platz erkennbar war und ihr Bestes gab. An die Leistung vom Morgen wurde am Nachmittag nahtlos angesetzt. Zuerst trainierte man auf dem Kunstrasen in der Hotelanlage auf der dreifachen Laufleiter, bis es anschliessend ein letztes Mal auf den 10km entfernten Fussballplatz in Bovalar ging. Hier trainierte man das letzte Mal das Umschalten. Den Abschluss bildeten lange Bälle. Sichtlich müde trat man anschliessend den Heimweg an, duscht im Zimmer und trabte zum Abendessen an.

Nach dem Abendessen traf sich die U16 in der Hotel-Lobby. Gemeinsam spazierte das Team zum Meer hinunter. Eine letzte Teamsitzung stand auf dem Programm. Offen und ehrlich sprach man über Ziele, Ängste, Erwartungen. Kurzum, es ging darum, den Puls für das Team – jedes einzelne Mitglied zu fühlen. Das Gesprächim Rauschen des Meeres war nicht nur extrem emotional, sondern auch enorm aufgeschlossen. Geschlossen wie nie zuvor marschierte man nach fast zwei Stunden der Offenbarung, der Offenlegung der Gefühle zurück zum Hotel. Innerhalb weniger Minuten verschwanden die Spielerinnen dann in ihren Zimmern – und kamen erst am nächsten Morgen wieder heraus. Am nächsten Morgen zeigte sich ein verändertes Bild. Plötzlich standen nicht nur Fussballerinnen, sondern Freundinnen oder vielleicht sogar eine Familie im Meeressand, um die letzte Trainingssession zu absolvieren. Ein Footing im Sand, gekoppelt mit einem Schnellkrafttraining und Stabilisationsübungen für den Rumpf mit aufputschender Musik im Hintergrund sollten die Talente von Morgen nochmals ans Ende ihrer Kräfte bringen.

Schlafende Spielerinnen auf der Fahrt zum Flughafen waren das Resultat von fünf kräftezehrenden, aber teambildenden Tagen. Zufrieden und mit einem Lächeln im Gesicht verabschiedeten sich die Spielerinnen vom Staff am Flughafen in Zürich und traten ihre Heimreise an. Aus den 17 Freundinnen wurde plötzlich eine kleine Familie, die nicht nur gemeinsam Fussball spielen, sondern gelernt haben, Freud und Leid gleichermassen miteinander zu teilen.

Bericht: Marjana (Menzi)Ensmenger, Trainerin U16

 

Fotos U17 / U16